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Atmung und Psyche: Was schnürt mir die Luft ab?

Dass Körper und Seele sehr viel enger zusammenhängen und auch zusammenspielen, als du vielleicht glaubst, ist wissenschaftlich inzwischen längst erwiesen. Besonders eng ist das Zusammenspiel zwischen Psyche und Atmung. So wird die Atmung wesentlich von Emotionen wie etwa Angst beeinflusst. Angstgefühle beeinflussen dein Atmungsmuster, insbesondere die Atemfrequenz. Maßgeblich an der Entstehung von Angstgefühlen beteiligt, ist der sogenannte Mandelkern, eine zentrale Hirnregion. Diese sendet Signale an die Lunge aus und die Atemfrequenz ändert sich. Das wiederum kann die Ursache für eine Verstärkung der Angstgefühle sein.

 Wenn ein gesundes Gefühl zum Problem wird

An und für sich ist Angst ein gesundes Gefühl, das im Lauf der menschlichen Evolution eine wichtige Funktion übernommen hat, weil Angst bekanntlich die Sinne schärft. Bei psychisch gesunden Menschen tritt das Gefühl der Angst auf, wenn sie eine Situation als bedrohlich empfinden oder eine nahende Bedrohung vermuten. Dieses Gefühl bewirkt, dass sich der Mensch in den entsprechenden Situationen angemessen und richtig verhält, etwa indem er vor der Bedrohung flieht. Körperlich äußert sich Angst etwa durch eine schnellere und flachere Atmung, aber auch durch einen erhöhten Blutdruck und eine erhöhte Herzfrequenz.

Jedoch kann Angst auch andere Reaktionen hervorrufen, etwa Lähmungserscheinungen oder einen andauernden Kontrollverlust. In diesem Fall spricht man von einer Angststörung. Dieser Begriff umschreibt jedoch verschiedene psychische Störungen. Die Betroffenen können unter einer konkreten Furcht, also einer Phobie, oder unter übertriebenen Ängsten, die sie nicht einordnen können, leiden. Bei den Angststörungen wird unterschieden zwischen einer Generalisierten Angststörung und Panikstörungen. Allerdings kann zugleich neben der Angststörung auch eine depressive Störung vorhanden sein.

Solltest du derartige Ängste verspüren, beispielsweise weil du über mehrere Wochen hinweg massiven Stress in deinem Job hattest, brauchst du für eine angemessene Behandlung zunächst eine tragfähige Diagnose. Diese kann ein Psychiater oder ein Psychotherapeut durch ein ausführliches Gespräch stellen. Weil zahlreiche Symptome wie etwa Herzrasen aber auch organische Ursachen haben können, ist vor der weiteren Behandlung auch eine medizinische Untersuchung notwendig.

 Richtig atmen will gelernt sein

Weil es sich beim Atmen um einen unbewussten Vorgang handelt, bekommst du deinen Atemrhythmus in der Regel gar nicht mit. Die Folge: Ein Großteil der Menschen atmet falsch, nämlich zu hektisch und zu flach. Das ist nicht nur ungesund, sondern wirkt sich auch negativ auf vielleicht schon vorhandene psychische Probleme aus. Viele Betroffene manövrieren sich durch ihre schlechte Atmung sogar in einen regelrechten Teufelskreis: Weil sie schlecht atmen, erhält ihr Körper zu wenig Energie, was sich irgendwann auf die Belastbarkeit niederschlägt und ein noch schlechteres Atmen mit sich bringt. Das richtige Atmen lässt sich aber durchaus erlernen. Du brauchst nur folgende Punkte zu beachten:

  • Mach dir das Atmen bewusst und beachte deinen Atemrhythmus. Allein das kann schon dazu beitragen, dass du in einem natürlicheren und gesünderen Rhythmus atmest.
  • Ändere deine Einstellung gegenüber der Atmung. Sieh das Atmen nicht nur von der Funktion her, sondern mach dir bewusst, dass dich die Atmung gesund hält und dir Leben spendet.
  • Bei der richtigen Atmung solltest du das Gefühl haben, dass dein Bauch mit Luft gefüllt wird.
  • Des Weiteren solltest du den Atem langsam und leicht fließen lassen. Sobald du merkst, dass dich das Atmen anstrengt, solltest du einige Male kräftig einatmen und anschließend wieder neu beginnen.

 Wenn das Atmen gesund macht

Die richtige Atemtechnik spielt vor allem bei Entspannungstechniken wie Pilates oder Yoga eine äußerst wichtige Rolle. Der Grund: Das richtige Atmen beruhigt dich – und macht dir sogar zugleich Mut. Beruhigung und Mut kannst du dir somit also „anatmen“. Deshalb wird das Atemtraining auch bei Patienten, die unter Depressionen oder Angststörungen leiden, zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Doch auch Asthmatiker können von der richtigen Atemtechnik profitieren.

Das richtige und bewusste Atmen flutet deinen Körper regelrecht mit Energie. Du baust also Energiereserven auf und dein Unterbewusstsein kann deine Selbstheilungskräfte aktivieren. Zugleich stärkst du deine Intuition und dein Selbstvertrauen. Das macht die Atemtherapie zu einer ganzheitlichen Heilmethode, deren Wurzeln im Fernen Osten liegen. Als besonders wirksam hat sich die Atemtherapie bei Erkrankungen wie chronischer Bronchitis sowie Asthma erwiesen. Das liegt daran, dass durch dieses Training verengte Atemwege geweitet werden, während zugleich die Atemmuskulatur gekräftigt wird.

 Das Atmen beginnt im Kopf

Bewusst auf die richtige Atmung zu achten, ist jedoch nicht der alleinige Schlüssel zum Erfolg. Gerade wenn du unter psychischen Problemen leidest, die dir die Luft regelrecht abschnüren, musst du auch an deiner Einstellung arbeiten und dein Leben aus einem anderen Blickwinkel betrachten – sprich: Du solltest eine bessere Selbstwahrnehmung entwickeln, die dich zur Selbsterkenntnis führt. Dann wirst du deine Umwelt und dein eigenes Leben anders – vor allem sehr viel stressfreier – wahrnehmen und sprichwörtlich aufatmen können.