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Geheimnisse der Natur

Weißt du eigentlich, dass Mutter Natur die größte Apotheke der Welt ist? Immerhin stammt ein Großteil der Substanzen, die für die Gesundheit des Menschen wichtig sind, von mehr als 60.000 Pflanzenarten, einigen Tausend Arten von Tieren und Hunderten von Bakterien- und Pilzarten. In der afrikanischen oder der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) spielt die Heilkraft der Natur seit Jahrtausenden eine ebenso wichtige Rolle wie in der europäischen Volksheilkunde oder der Ayurveda.

In den vergangenen Jahrzehnten haben Heilpflanzen in der westlichen Schulmedizin zwar eher ein Schattendasein gefristet, doch mittlerweile werden sie hier ebenso verwendet wie in der Naturheilkunde.

Die Heilkraft der Natur nutzen mit der Öko-Psychosomatik

Seit jeher ist der Mensch tiefgreifend mit der Natur verbunden. Deshalb möchte der Biologe und Landschaftsökologe Clemens G. Arvay aus Österreich auch die sogenannte Öko-Somatik als eine eigene, interdisziplinäre Wissenschaft etablieren. Erforscht werden soll in diesem Zusammenhang, welche Wechselwirkungen zwischen Tieren, Pflanzen und Ökosystemen auf die Gesundheit des Menschen bestehen. Darüber hinaus soll untersucht werden, welche Rolle Umweltschadstoffe in Bezug auf das Entstehen körperlicher und psychischer Erkrankungen spielen. Dieser interdisziplinäre Ansatz ist insofern interessant, als damit sowohl Ärzte als auch Wissenschaftler und Therapeuten angesprochen werden.

Eine junge Wissenschaft mit tiefen Wurzeln

Zwar handelt es sich bei der Öko-Psychosomatik noch um eine sehr junge Wissenschaft, die jedoch auf die Arbeiten zahlreicher Forscher zurückgreifen kann. Denn mit der Frage, welche Wechselwirkungen zwischen Natur und menschlicher Psyche bestehen, beschäftigen sich Forscher bereits seit Jahrzehnten. Diese Wurzeln reichen in die USA zurück, als Forscher herausfinden wollten, wie die Übernachtungsmöglichkeiten und die Wege in den Nationalparks des Landes angelegt werden sollten, damit sich die Besucher rundum wohl fühlen können. Erst später wurde dieses Forschungsgebiet ausgeweitet, wobei das Ergebnis lautete, dass die Natur dem Menschen gut tut.

Diese wohltuende Wirkung zeigt sich daran, dass sowohl Pulsschlag als auch Blutdruck und der Kortisongehalt im Blut sinken und der Herzrhythmus in Belastungssituationen flexibler reagiert – diese Aspekte sind ein Anzeichen für körperliche und geistige Entspannung.

Diesen Effekt hat ein Aufenthalt in der Natur

Schon wenige Minuten in der freien Natur reichen aus, damit sich die Konzentrationsfähigkeit verbessert und sich die Stimmung hebt. Darüber hinaus machen Naturerlebnisse den Menschen toleranter und sozialer und steigern zudem die Frustrationstoleranz. Zwar ist es unumstritten, dass die Natur eine wohltuende Wirkung auf den Menschen hat, jedoch gibt es noch keine fundierte Erklärung für diese entspannende Wirkung. Als sicher gelten die Erkenntnisse von Stephen und Rachel Kaplan, die an der Universität von Michigan tätig sind und seit mehr als drei Jahrzehnten auf diesem Gebiet forschen. Für sie muss eine Umgebung folgende vier Kriterien aufweisen, um eine entspannende Wirkung auf den Menschen zu haben:

  • Die Alltags-Ferne: Der Mensch kann sich nur dann richtig erholen, wenn er zumindest mental von der alltäglichen Routine und seinen Pflichten losgelöst ist. Um diesen Erholungseffekt zu erreichen, muss der jeweilige Ort nicht einmal allzu weit entfernt sein – manchem reicht schon der Garten oder der Park vor dem Haus.
  • Die Bedürfnis-Orientierung: Die bestmögliche Entspannung finden Menschen dann, wenn sie am jeweiligen Ort genau das vorfinden, was sie gerade benötigen: Das kann eine schöne Aussicht ebenso sein wie Ruhe oder die Möglichkeit, sich zu bewegen.
  • Die Faszination: In der Natur entsteht automatisch eine nicht anstrengende Aufmerksamkeit – der Mensch erholt sich also umso leichter, je mehr ihn eine Umgebung fasziniert. Allerdings sollte die Umgebung auch nicht zu spektakulär sein, weil dann die Gedanken nicht mehr frei sind.
  • Die Weite: In der Natur hat der Mensch die Chance, ständig etwas Neues zu entdecken und zu erleben. Am erholsamsten haben sich in den Untersuchungen weite Landschaften erwiesen.

Darum sind Bäume für den Menschen gesund

Vor allem Bäume haben eine hervorragende Wirkung auf  die Gesundheit eines Menschen. So konnte Marc Bermann in der kanadischen Stadt Toronto nachweisen, dass bereits zehn zusätzliche Bäume, die um den Wohnblock herum angepflanzt werden, eine gesundheitsfördernde Wirkung auf den durchschnittlichen Großstadtbewohner haben. Zusätzlich konnte in einer japanischen Studie nachgewiesen werden, dass das menschliche Immunsystem durch kurze Waldspaziergänge gestärkt wird. Teilnehmer an dieser Studie, die den ganzen Tag im Wald verbracht hatten, wiesen einen Anstieg der natürlichen Killerzellen im Blut um nahezu 40 Prozent auf.

Besonders gesund: Die Terpene

Schon vor mehr als einem Jahrhundert wurden die Terpene als Hauptbestandteil der ätherischen Öle, die in Pflanzen produziert wurden, entdeckt. Seitdem werden die Terpene auch erfolgreich in diversen Therapien wie der Aromatherapie eingesetzt. Aber auch Mediziner haben die heilkräftige Wirkung bereits entdeckt und setzen Terpene bei der Bekämpfung von Krebserkrankungen ein. Der Grund: Wie Forscher erst jüngst herausfanden, können die Terpene der Bäume die menschlichen Abwehrkräfte erheblich steigern und sogar Mechanismen aktivieren, die den Körper vor Krebs schützen.

Für die Pflanzenwelt haben die inzwischen über 8.000 bekannten Terpene übrigens noch eine weitere, wichtige Funktion: Die Pflanzen locken damit Insekten an, die Schädlinge bekämpfen. Zudem werden die Terpene von den Pflanzen genutzt, um Fressfeinde sowie Konkurrenzpflanzen  abzuschrecken.